Warum Kentern so viel Spaß machen kann - Jugendtraining
„Segeln ist laaaangweilig“, soll der elfjährige L. zu seiner Mutter gesagt haben. Das war vor dem Jugendtraining des NhSV. An diesem Mittwochnachmittag stimmen die Bedingungen: Es ist heiß, und es hat Wind. Nicht zu viel für die vier Nachwuchssegler. Der Jüngste ist zehn, der Älteste 15. Ihre Boote, zwei Optis und zwei Laserjollen des Vereins, müssen sie selbst aufbauen am Nonnenstein, das gehört zum Training. Mast und Großsegel, Großschot und Verklicker. „Was fehlt noch?“ fragt Jugendtrainer Martin Rosenberger. „Wenn kein Wind mehr ist, braucht ihr…?“ Die beiden Jüngeren rennen und holen die Paddel.
Sind die Boote gemeinsam zu Wasser gelassen, sausen die jungen Segler los. Für den neuen Jugendtrainer, der die Aufgabe zum Saisonstart von Sandra Fackelmayer übernommen hat, ist das wie „segelnde Flöhe hüten“: Die Optis sind schon halb in Richtung Bodanwerft, die Laser sortieren sich noch. „Wende!“, „Großschot dichter!“ – die Kommandos kommen vom Schlauchboot, das sie begleitet, und es fliegen… Tennisbälle! Martin schleudert sie weit hinaus auf den See. Das ist Ansporn, ein genaues Ziel schneller zu erreichen als die anderen.
Aufschießer, Halse, Lee-Trimm, Kringel segeln – alles will ausprobiert sein. Segeltraining für Kinder und Jugendliche gibt es fast seit der Gründung des NhSV vor mehr als 45 Jahren. Bis zu zehn Nachwuchssegler nutzen das jeden Sommer, bei schlechtem Wetter ist Theorie dran.
An diesem Mittwoch sieht es auf dem See vor dem Nonnenstein mittlerweile so aus, als sei die Wasserwacht gefordert: Die Laser treiben kieloben im Wasser, die Jungsegler in Schwimmwesten daneben. Natürlich Absicht, denn jetzt wird Kentern geübt. Unermüdlich bringen der 13-jährige K. und der 15-jährige T. ihre Boote zum Kippen und Durchkentern, klettern aufs Schwert und richten sie ganz langsam wieder auf. Oder auch nicht. Auch die Jüngeren, V. und L., landen juchzend freiwillig im Wasser. Sie dürfen hinterher Lenzen üben, gefühlt der halbe Bodensee ist im Opti…
Nach 90 Minuten ist das „laaaangweilige Segeln“ vorbei. Alle schippern an Land, trocknen die Segel, räumen gemeinsam die Boote auf, und die Mutter kriegt von L. ein begeistertes „Daumen hoch“. Mehr Fotos vom Jugendtraining gibt es im Mitgliederbereich.
Karin Wehrheim
Nonnenhorner Segelverein e.V.