Müssen Nonnenhorner Seglerinnen und Segler künftig Minigolf spielen?
„Sooo schlimm war es noch nie“ – Kaum ein Satz ist in diesem Jahr öfter am Bodensee zu hören als dieser. Gemeint sind die Trockenheit und der geringe Wasserstand im See. Immer neue historische Tiefstände werden vermeldet. Und seit August hat sich der Nonnenhorner Hafen geleert: Alle Boote mit zu viel Tiefgang mussten teils mehrmals den Liegeplatz wechseln und schließlich auswassern, mitten in der Segelsaison und mehrere Wochen früher als sonst.

Für Einzelne war das besonders hart. So war ein NhSV-Mitglied mit seinem Segelboot in diesem Sommer nur ganze drei Wochen im Wasser, ein anderer Bootseigener musste nach nur sechs Wochen schon wieder raus. Wer „Glück“ hatte und sein Boot in einem benachbarten Hafen unterbringen konnte, zahlte dort für einen Monat 600 Euro Gastgebühr. Aber konnte dafür immerhin noch ein paar Mal hinaus auf den See gehen.
Für den ehrenamtlichen Hafenmeister Wolfgang Semmlinger waren der Juli und August wegen des Niedrigwassers enorm arbeitsreich. Denn fast täglich mussten die Liegeplätze neu verteilt werden, je nach Pegel und Tiefgang. Dann wurde es ruhig, denn es gab schlicht nichts mehr zu verteilen: „Wenn es zu flach ist, ist die Saison zu Ende“, sagte er. Mitte September war der Hafen nur noch dort belegt, wo die Wassertiefe ausreichte – am Ende der Quermole. Jollen und Jollenkreuzer mit wenig Tiefgang übernahmen die freien Plätze. Sogar die Wasserwacht und das Fischerboot mussten ausweichen. Anfang Oktober erstreckte sich schließlich bis zu den ersten Liegeplätzen eine trockene Sandfläche, die immer größer wurde.
Das beeinträchtige nicht nur den Einzelnen, sondern auch das Vereinssegeln. So musste die Nonnenhorner Einhandregatta abgesagt werden, weil die Regattaboote im Hafen nicht festmachen konnten. Auch das Feierabendsegeln wurde schwierig. Und trotzdem fand sich zum Absegeln am Saisonende für alle, die bei traumhaft sonnigem Spätsommerwetter mit hinaus wollten, ein Plätzchen auf einem der verbliebenen Boote. Man rückte zusammen. Drei Stunden lang genossen alle noch einmal das Segeln auf dem See, dann wurde der NhSV-Flaggenmast eingeholt.

Ist der extrem trockene Sommer eine Ausnahme? Eher nicht. „Ich kann mich nicht erinnern, jemals so viel Sandfläche im Hafen gesehen zu haben“, sagt ein Vereinsmitglied, das in Nonnenhorn aufgewachsen ist. Dabei reichte auch im Frühjahr 2023 der Wasserstand für einige Boote nicht aus, im August 2022 sank der Pegel so stark, dass größere Boote ein Problem hatten. 2019 war ein Jahr mit wenig Wasser im See, der Jahrhundertsommer 2003 ohnehin. Im Vereinsarchiv ist festgehalten, dass 1990 der Schneemangel das ganze Jahr über für einen niedrigen Wasserstand gesorgt hat. Und zwei Jahre später mussten einige Boote ebenfalls bereits im August auswassern. Ob 2026 ein extremes Jahr war, wird sich zeigen.

Die Unmengen Sand, die derzeit im Hafenbecken sichtbar sind und die die Rheinverbauung nach Nonnenhorn spült, sollen im kommenden Jahr erneut ausgebaggert werden. Das kostet den Verein viel Geld. Das Problem mit dem fehlenden Wasser, so schätzt Hafenmeister Wolfgang Semmlinger, wird das aber nicht lösen. Vielleicht müssen die Seglerinnen und Segler des NhSV in Zukunft also in ihrer Freizeit… Minigolf spielen.
Karin Wehrheim
Nonnenhorner Seglerverein e.V.