Warum 150 Seglerinnen und Segler ausgerechnet auf ein Motorschiff steigen
„…Und immer eine Handbreit Wasser unter dem Kiel!“ – Dieser gute Wunsch war beim Festakt zum 50-jährigen Bestehen des Nonnenhorner Seglervereins (NhSV) gleich mehrfach zu hören. Allerdings stets mit einem kleinen Seufzer: Ausgerechnet im Jubiläumsjahr fehlte vielen Booten wegen des historisch niedrigen Bodenseewasserstands genau diese Handbreit.
An Feierlaune mangelte es dagegen nicht. Mehr als 150 Vereinsmitglieder, Ehrengäste und Angehörige kamen am Sonntagvormittag, 18. Oktober, im Nonnenhorner Stedi zusammen. Die Halle hatte sich in ein kleines Seglerparadies verwandelt: Das Licht tauchte den Raum in das Blau des Bodensees, zwei aufgetakelte Jugendboote rahmten die Bühne ein. Auf einer Leinwand flimmerten alte Fotos aus dem Vereinsarchiv – von Jugendregatten in den 1980er-Jahren, gemeinsamen Segeltörns, Ausfahrten und Bergwanderungen. Ein bunter Rückblick auf fünf Jahrzehnte Vereinsleben. Kleine und große Vereinsstander mit dem Nonnenhorner Wappen schmückten die Wände, unter der Decke waren große Segel drapiert.
Nach den Grußworten der Ehrengäste von Gemeinde und Landkreis, Bayerischem Seglerverband und den benachbarten Segelvereinen aus Wasserburg und Kressbronn blickten die beiden NhSV-Vorstände Alexander Swoboda und Dr. Katrin Beck auf die Anfänge zurück.

Alles begann in einer eisigen Winternacht im Januar 1976 – bei der Gründungsversammlung in der Nonnenhorner „Kapelle“. Drei der ersten Vorstandsmitglieder ließen es sich nicht nehmen, auch ein halbes Jahrhundert später mit dabei zu sein: Wendelin Hornstein, seinerzeit erster Vorsitzender, Wiegand Berninger, der erste Kassier, und Fritz Sauter, der erste Jugendwart. Sie wurden ebenso geehrt wie weitere 16 Seglerinnen und Segler, die bereits im Gründungsjahr dabei waren.

Seitdem ist viel Wasser durch den Bodensee geflossen – und im Hafen einiges an Arbeit angefallen. „Es war ein Weg mit vielen Meilensteinen“, erinnerten die Vorstände, „aber auch mit vielen Tonnen Flussbausteinen, um den Hafen zu sichern.“ Das Jollengelände am Nonnenstein, das Vereinsheim und die Winterlagerhalle entstanden in vielen tausend Arbeitsstunden, die Vereinsmitglieder selbst leisteten. Auch sportlich machte der NhSV von sich reden: Seine Jugendmannschaften segelten bei Deutschen Meisterschaften und sogar Weltmeisterschaften mit.
Dass ein Verein nach 50 Jahren noch lange nicht auf Autopilot fährt, bewies auch das Jubiläumsjahr. Ein engagiertes Team organisierte Infotafeln am Hafen, das spektakuläre Hafenglühen im Juli und schließlich den Festakt im Oktober. Ein ganzes Jahr lang wurde so die Geschichte des NhSV sichtbar – weit über die Vereinsgrenzen hinaus.
Nach dem Festakt hieß es natürlich: Leinen los! Gemeinsam ging es hinaus auf den Bodensee. Allerdings ausnahmsweise ohne Segel, dafür mit ordentlich Komfort: Dank der Unterstützung von Sponsoren hatte der NhSV die „MS Oesterreich“ für eine vierstündige Rundfahrt gebucht. Auf dem historischen Museumsschiff von 1928 genossen die Nonnenhorner Seglerinnen und Segler ein Vier-Gänge-Menü, Livemusik und vor allem viel Zeit für gemeinsame Erinnerungen. Die Sonne hielt sich zwar bedeckt, doch das tat der Stimmung keinen Abbruch.

Ein besonderer Moment wartete vor Bregenz: Dort traf die „Oesterreich“ auf den historischen Raddampfer „Hohentwiel“. Dessen Kapitän war auf seiner letzten Fahrt unterwegs und erhielt von Schiff zu Schiff eine Flasche Champagner. Eine außergewöhnliche Begegnung, die der 50-Jahr-Feier des NhSV eine besondere Note verlieh. Kurz vor Nonnenhorn legte die „MS Oesterreich“ zudem an der „MS Schwaben“ an, um eine weitere Flasche Sekt zu übergeben. Schließlich ging die Saison der Weißen Flotte auf dem Bodensee an diesem Tag zu Ende.

Am Ende fiel vielen der Abschied schwer. Kein Wunder: Der Festtag hatte gezeigt, was den NhSV seit fünf Jahrzehnten prägt: sportlicher Ehrgeiz, gemeinsame Erlebnisse und viel ehrenamtliches Engagement. Und was bringt die Zukunft? Zunächst einmal wieder Arbeit im Hafen: Anfang kommenden Jahres soll dieser erneut ausgebaggert werden. „Das schaffen wir nur gemeinsam – mit den Menschen in diesem Verein“, so der Vorstand. Und vielleicht passt dann auch der Wunsch vom Festakt wieder besser zu den Verhältnissen im Hafen: Immer eine Handbreit Wasser unter dem Kiel!
Karin Wehrheim
Fotos: Gaby Schneider, Martin Rosenberger, Michael Häfner
Nonnenhorner Seglerverein